Push-Nachricht um Mitternacht

Erzähl mir das Ende
dieser Geschichte,
noch bevor sie sich selbst schreibt.
Nur ein Stück,
gerade genug,
um zu ahnen,
wer du wirklich bist:
unter deiner Haut,
hinter deinem Lächeln,
in deinen Augen,

die sich öffnen,
dann blitzen,
kurz schließen,
und dann brennen.
Als wüsstest du's nicht,
dass ich dich gerne lese,
so wie man nachts
von einer Push-Nachricht geweckt wird
und sich trotzdem freut,
und sich den Rest
für den Morgen aufhebt,

und ja,
das stimmt schon.
Mehr, als du denkst.

Denn ich kenne
deine Stimme,
deine Worte,
Blicke,
dieses Glucksen,
diese kleinen Bewegungen,
die du machst,
wenn du glaubst,
keiner sieht's.
(Spoiler: doch.)

Wenn du lachst,
wird alles
sofort ein bisschen
leichter,
wie nebenbei,
ein stiller Hinweis,
dass du's denkst
und ich's spüre,
dieses Spannung,
wenn keiner was sagt –
und trotzdem alles passiert.

Denn immer,
wenn du da bist,
bleibt diese Geschichte.
Bis zur letzten Zeile.
Irgendwann.
(Vielleicht)

Frederik Rentrop
2014