was du hier gibst wenn du es nimmst was ich dir schenke und auch stehle für mich und dich und uns wir suchen reichen weichen gleichen und drängen laben graben wagen und dann glimmen grimmen schwimmen müssen kriechen siechen riechen und immer brennen trennen rennen ich lerne wärme lärme und raube glaube schnaube du schaust mich an und ich zu dir und du erzählst mir ohne worte du kannst finden binden winden hast du das was ich nun will und nimmst von mir wie du es willst und schreiben bleiben treiben nein und ja beide münder rufen suchen fluchen alle hände halten spalten falten unsere körper bücken drücken glücken deine augen weinen reinen scheinen offen dann geschlossen und mein puls wird jetzt dein atem wir beben weben leben wir rollen sollen grollen atem stoppt dein glucken nucken zucken und platzen kratzen schmatzen und mein beißen reißen schmeißen findet dein ducken schlucken mucken und auch kekeln ekeln rekeln wir liegen wiegen schmiegen unser dann
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frederik rentrop
2026
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unser dann
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Farbwert / Sättigung
Es spiegelt sich seltsam im Glas,
die Form entzieht sich dem Blick.
In Schichten gebrochen, unsichtbar,
zerfällt der Umriss zu Schleiern.
Kein Halt in der Fläche, kein Griff,
doch jedes Detail drängt nach Grund.
Die Leere füllt sich mit Ahnung,
die Fülle verläuft in Schweigen.
Ein Wille, der nicht wählen kann,
ein Zug, ein Drang, ein Ganzes –
ein Atem hält, dann löst er sich,
das Maß verliert sich im Entgleiten.
Farbwert – schon ausgehungert.
Die Haut liegt still über Knochen.
Der Spiegel lügt – lügt leise –
zeigt Fülle, dann Zuviel, dann nichts.
Sättigung – schon übervoll.
Die Haut gedehnt bis zur Grenze.
Der Spiegel lügt – lügt laut –
zeigt Leere, dann Zuwenig, dann nichts.
Frederik Rentrop
2025 -
Carrowbeg – A Night By Design
Tiefer Bass trägt Piano durch die Dunkelheit, langsam und ohne Eile, der Rhythmus schleppend und treibend zugleich. Die Struktur entfaltet sich in Schleifen, die sich wiederholen, vertiefen und schichten, bis sie sich entladen. Eine Nacht, bewusst konstruiert – die Tiefe zieht nach unten, die Wärme bleibt.
(mehr …) -
A Night By Design
Fotografie für das Cover von der Single ‚A Night By Design‘ von Carrowbeg.

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French Press gleich.
Halle (Saale), 20. September 2025 – F. Rentrop
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Man vertrödelt ewig,
um etwas zu kapieren –
fast gemütlich.
Und kaum ist’s da,
drückt schon die Uhr,
als hättest du
null Sekunden übrig.
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Also entschlossen: Vinyl wiederaufbauen. Warum ich die Platten damals verkauft habe, weiß ich selber nicht mehr. Irrational. Keine Erklärung, nur ein Loch im Regal. Also neu: Gebraucht. Erstauflage. Deutschlandpressung. Appetite for Destruction – selbsterklärend, ein Icon, das mehr verspricht als ein Samstagabend. Dummy von Portishead daneben, diese gespenstische, feine Traurigkeit, als würde man sich selbst beim Weinen aufnehmen.
Eine Begegnung ist geplant – aufregend, möglich. Und doch: kein Plattenspieler. Typisch.
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Der Geruch der Herdplatte mit Wasser im kleinen Topf. Metallisch. Aber nicht unangenehm. Kein Blut im Mund, eher wie ein Parfüm, das man nie gekauft hat, das aber trotzdem da ist. French Press gleich. Dieses Versprechen: gleich Kaffee, gleich etwas, das Ordnung macht. Nicht die große Ordnung, die kleine. Reicht ja.
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Ich lese erneut von vorn Nach Notat zu Bett: Heinz Strunks Intimschatulle. Das Buch rückt mir den Tag zurecht, als wäre es ein zerknittertes Hemd, das plötzlich glatt am Bügel hängt. Ich hoffe auf Struktur, geliehene Disziplin, einen fremden Takt, der mich weiterschiebt. Und tatsächlich: es greift. Nicht groß, nicht heilend, aber zuverlässig. Es funktioniert. Und was bleibt, ist genau das: ein kleines Funktionieren, das reicht wie Liebe. Heinz Strunk liefert dazu den Kommentar zu meiner Selbstverarschung.
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Die Novelle wächst, und draußen bleibt alles offen. Die Begegnung wird stattfinden oder ausbleiben. Vinyl kommt vielleicht wieder. Vielleicht nie. Mal knirscht die Zunge im Mund, als wäre sie Sandpapier, mal dreht alles so hoch, dass selbst das Atmen wie eine Anlage auf voller Lautstärke wirkt. Wechselnd, nicht planbar. Ich habe einen Plan: Im Zweifel bleibt der Kaffee. Das Ritual reicht für jetzt. Man nippt, schaut, raucht. Und es geht weiter. Immer weiter. Keine Abkürzung. Aber weiter.
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Ich habe eine neue Begriffsminiatur: Umsturzsekunde
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Klang des Tages: Modest Mouse - The World at Large -
Regenverzehrgenehmigung
Halle (Saale), 14. September 2025 – F. Rentrop
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Die Blicke fallen schwer,
als legte man Gold
auf einen Tisch voll Pokerchips.
Glanz ohne Wort,
doch jede Bewegung trägt Gewicht –
mehr als der Einsatz,
mehr als der Gewinn.
Ein Augenpaar genügt,
um den Raum zu kippen:
kein Kartenblatt,
nur ein Lächeln,
das alles hält.
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Ich staune über mich.
Stets Automobilist – allein das Wort!
Doch Auto stehen gelassen. Bahn genommen.
Vom Ignoranten zum ICE-Liebhaber in drei Fahrten.
Straßenbahnen mochte ich immer.
Weil: dreißig Jahre zurück. Immer.
Im Zug dann: Zeit.
Einfach da.
Und mit ihr das Erschrecken.
Vergänglichkeit. Dauer. Schweigen. Klang.
Alles gleichzeitig. Alles sofort.
Gefiltert durch AirPods.
Als hätte Apple die Zeit als Playlist sortiert.
Erste Klasse in Selbstabschaffung.
Letzte Geste: Becher. Flaschen. Tüten.
Zurückgelassen im Ablagenetz.
Wie Kommentare, die keiner schreibt.
Aber jeder versteht.
Menschen, die Abfall spielen.
Sie proben die Rolle mit vollem Ernst.
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Ein Satz verfolgt mich:
„Socken, die man aus der Hand gibt, die Füße übernehmen.“
Geträumt.
Vorgetragen wie vor der UNO.
Im Traum unanfechtbar.
Im Wachzustand nur Fragen.
Also zehn Paar hellblaue Socken bestellt.
Falls die Füße übernehmen.
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Zur Lektüre: The Fuck-Up.
Arthur Nersesian.
2013 erstmalig gelesen.
Kein bisschen nachgelassen.
Stark. Richtig stark.
Ich lege ihn ins Ablagenetz.
Offiziell „Magazinnetz“ genannt.
Für mich: Literaturnetz.
Vielleicht liest ihn jemand.
Vielleicht bleibt er da.
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Ich habe eine neue Begriffsminiatur: Regenverzehrgenehmigung
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Klang des Tages: LTJ Bukem – Flip the Narrative
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Nur eine Bar
Ein Schatten klebt am Tresen.
Kein Mangel, sondern Wärme, die beißt.
Kein Aperol, kein Blitzlicht,
kein kitschiger Firlefanz.
Die Burg guckt weg. Hier guckt keiner hoch.
Patina heißt hier: abgenutzt, also echt.
Hier glänzt nichts. Also stimmt’s.
Die Gäste.
Immer andere, immer gleich.
Die Bar spuckt sie aus, saugt sie ein.
Heute hier, morgen Legende.
Als wären sie aus Filmen,
die keiner zu Ende guckt.
Kein Vertrag, nur Schnaps.
Jeder verloren, jeder am Leben.
(Statisten mit Sprüchen, ohne Applaus.)
Der Kripo-Mann.
Stimme wie ein altes Tonband.
DDR im Atem, verraucht und körnig.
„Das Gute“, brummt er.
Meint Bier, die Jahre, vielleicht sich.
Nie direkt, immer um die Ecke.
Trinkt, als würde gleich einer fragen.
Sätze wie Akten: verstaubt, aber schwer.
(Verhör? Mit Kippe. Nie mit Druck.)
Der Binnen-Kapitän.
Flüsse im Kopf, brackig und tief.
Lachen wie ein Motor, der hustet.
Kurz, rau, ohne Schnörkel.
Seine Hände reden,
sortieren Karten, die keiner sieht.
Mehr Kurs im Kopf als auf jedem Plan.
(Heimathafen? Nur ein Anker fürs Zurück.)
Der Skateboarder.
Locker. Ohne Show.
Schuhe, abgelaufen, und Wege, die
nirgendwohin führen.
Blick geradeaus, doch er sitzt fest.
Positiv, als wüsste er: morgen geht schon klar.
Nimmt alles, wie’s kommt. Kein Stress.
(Vier Rollen. Fünf Züge. Fertig.)
Der Eingestiegene.
Ex-Wessi, jetzt festgewachsen.
Verpasste den Zug, fand den Tresen.
Kein Plan, doch bringt er Ideen.
Zwischen gestern und Glas.
Einfach da:
ein Bier, ein Nicken, gut.
(Her geflüchtet. Stets zugepackt.)
Die Chefin.
Keine Pose, nur Rückgrat.
Kennt jeden Namen, jede Lüge.
Tresen und Wille: unzertrennlich.
Was zählt, bringt sie. Und es sitzt.
Mächtig, ohne Fanfare.
Wenn sie was sagt, hörst du auf.
Sie hält die Bude zusammen,
die anderen drehen Kreise, sehen’s nicht.
Hart im Kern. Keiner merkt’s.
Bis einer’s verdient. Dann knallt’s.
(Sieht weich aus. Ist Stahl.)
Holz, Bier, Rauch.
Die Bar feiert, indem sie atmet.
Ein Schaum, der kam und ging.
Kein Plakat, kein Jubel.
Nur: Hier.
Gestern steckt in den Flecken
auf den Tischen.
Morgen? Scheiß drauf.
Das Jetzt hält. Bis die Tür fällt.
(Wer hier war, schleppt die Bar mit.)
Ein Ort, der bleibt, weil er muss.
Weil er nichts anderes kennt.
(Konzept? Leben. Das reicht.)
Eine Bar.
Nur eine Bar.
Ein paar Bier. Gespräche.
Dunkel genug, dass du bleibst.
Seite genug, dass du gehst.
Pointe? Keine.
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Frederik Rentrop
2025 -
A Glow Between
Fotografie für das Cover von der Single ‚A Glow Between‘ von Carrowbeg.
