
Literarische Montage · Autofiktion · 2026
ein remix aus texten, begriffsminiaturen und lyrik-bruchstücken. sie dreht sich. das vinyl auch. zwei kräfte. ich dazwischen. eine literarische montage über sucht, nähe und entscheidung.

ein remix aus texten, begriffsminiaturen und lyrik-bruchstücken. sie dreht sich. das vinyl auch. zwei kräfte. ich dazwischen. eine literarische montage über sucht, nähe und entscheidung.
Es spiegelt sich seltsam im Glas,
die Form entzieht sich dem Blick.
In Schichten gebrochen, unsichtbar,
zerfällt der Umriss zu Schleiern.
Kein Halt in der Fläche, kein Griff,
doch jedes Detail drängt nach Grund.
Die Leere füllt sich mit Ahnung,
die Fülle verläuft in Schweigen.
Ein Wille, der nicht wählen kann,
ein Zug, ein Drang, ein Ganzes –
ein Atem hält, dann löst er sich,
das Maß verliert sich im Entgleiten.
Farbwert – schon ausgehungert.
Die Haut liegt still über Knochen.
Der Spiegel lügt – lügt leise –
zeigt Fülle, dann Zuviel, dann nichts.
Sättigung – schon übervoll.
Die Haut gedehnt bis zur Grenze.
Der Spiegel lügt – lügt laut –
zeigt Leere, dann Zuwenig, dann nichts.
Frederik Rentrop
2025
Tiefer Bass trägt Piano durch die Dunkelheit, langsam und ohne Eile, der Rhythmus schleppend und treibend zugleich. Die Struktur entfaltet sich in Schleifen, die sich wiederholen, vertiefen und schichten, bis sie sich entladen. Eine Nacht, bewusst konstruiert – die Tiefe hält, die Wärme bleibt.
Lo-Fi · Downtempo · 2025
(mehr …)Halle (Saale), 14. September 2025
–
Die Blicke fallen schwer,
als legte man Gold
auf einen Tisch voll Pokerchips.
Glanz ohne Wort,
doch jede Bewegung trägt Gewicht –
mehr als der Einsatz,
mehr als der Gewinn.
Ein Augenpaar genügt,
um den Raum zu kippen:
kein Kartenblatt,
nur ein Lächeln,
das alles hält.
–
Ich staune über mich.
Stets Automobilist – allein das Wort!
Doch Auto stehen gelassen. Bahn genommen.
Vom Ignoranten zum ICE-Liebhaber in drei Fahrten.
Straßenbahnen mochte ich immer.
Weil: dreißig Jahre zurück. Immer.
Im Zug dann: Zeit.
Einfach da.
Und mit ihr das Erschrecken.
Vergänglichkeit. Dauer. Schweigen. Klang.
Alles gleichzeitig. Alles sofort.
Gefiltert durch AirPods.
Als hätte Apple die Zeit als Playlist sortiert.
Erste Klasse in Selbstabschaffung.
Letzte Geste: Becher. Flaschen. Tüten.
Zurückgelassen im Ablagenetz.
Wie Kommentare, die keiner schreibt.
Aber jeder versteht.
Menschen, die Abfall spielen.
Sie proben die Rolle mit vollem Ernst.
–
Ein Satz verfolgt mich:
„Socken, die man aus der Hand gibt, die Füße übernehmen.“ –
Geträumt.
Vorgetragen wie vor der UNO.
Im Traum unanfechtbar.
Im Wachzustand nur Fragen.
Also zehn Paar hellblaue Socken bestellt.
Falls die Füße übernehmen.
–
Zur Lektüre: The Fuck-Up.
Arthur Nersesian.
2013 erstmalig gelesen.
Kein bisschen nachgelassen.
Stark. Richtig stark.
Ich lege ihn ins Ablagenetz.
Offiziell „Magazinnetz“ genannt.
Für mich: Literaturnetz.
Vielleicht liest ihn jemand –
vielleicht bleibt er da.
–
Klang des Tages: LTJ Bukem - Flip the Narrative
Ein Schatten klebt am Tresen.
Kein Mangel, sondern Wärme, die beißt.
Kein Aperol, kein Blitzlicht,
kein kitschiger Firlefanz.
Die Burg guckt weg. Hier guckt keiner hoch.
Patina heißt hier: abgenutzt, also echt.
Hier glänzt nichts. Also stimmt’s.
Die Gäste.
Immer andere, immer gleich.
Die Bar spuckt sie aus, saugt sie ein.
Heute hier, morgen Legende.
Als wären sie aus Filmen,
die keiner zu Ende guckt.
Kein Vertrag, nur Schnaps.
Jeder verloren, jeder am Leben.
(Statisten mit Sprüchen, ohne Applaus.)
Der Kripo-Mann.
Stimme wie ein altes Tonband.
DDR im Atem, verraucht und körnig.
„Das Gute“, brummt er.
Meint Bier, die Jahre, vielleicht sich.
Nie direkt, immer um die Ecke.
Trinkt, als würde gleich einer fragen.
Sätze wie Akten: verstaubt, aber schwer.
(Verhör? Mit Kippe. Nie mit Druck.)
Der Binnen-Kapitän.
Flüsse im Kopf, brackig und tief.
Lachen wie ein Motor, der hustet.
Kurz, rau, ohne Schnörkel.
Seine Hände reden,
sortieren Karten, die keiner sieht.
Mehr Kurs im Kopf als auf jedem Plan.
(Heimathafen? Nur ein Anker fürs Zurück.)
Der Skateboarder.
Locker. Ohne Show.
Schuhe, abgelaufen, und Wege, die
nirgendwohin führen.
Blick geradeaus, doch er sitzt fest.
Positiv, als wüsste er: morgen geht schon klar.
Nimmt alles, wie’s kommt. Kein Stress.
(Vier Rollen. Fünf Züge. Fertig.)
Der Eingestiegene.
Ex-Wessi, jetzt festgewachsen.
Verpasste den Zug, fand den Tresen.
Kein Plan, doch bringt er Ideen.
Zwischen gestern und Glas.
Einfach da:
ein Bier, ein Nicken, gut.
(Her geflüchtet. Stets zugepackt.)
Die Chefin.
Keine Pose, nur Rückgrat.
Kennt jeden Namen, jede Lüge.
Tresen und Wille: unzertrennlich.
Was zählt, bringt sie. Und es sitzt.
Mächtig, ohne Fanfare.
Wenn sie was sagt, hörst du auf.
Sie hält die Bude zusammen,
die anderen drehen Kreise, sehen’s nicht.
Hart im Kern. Keiner merkt’s.
Bis einer’s verdient. Dann knallt’s.
(Sieht weich aus. Ist Stahl.)
Holz, Bier, Rauch.
Die Bar feiert, indem sie atmet.
Ein Schaum, der kam und ging.
Kein Plakat, kein Jubel.
Nur: Hier.
Gestern steckt in den Flecken
auf den Tischen.
Morgen? Scheiß drauf.
Das Jetzt hält. Bis die Tür fällt.
(Wer hier war, schleppt die Bar mit.)
Ein Ort, der bleibt, weil er muss.
Weil er nichts anderes kennt.
(Konzept? Leben. Das reicht.)
Eine Bar.
Nur eine Bar.
Ein paar Bier. Gespräche.
Dunkel genug, dass du bleibst.
Seite genug, dass du gehst.
Pointe? Keine.
–
Frederik Rentrop
2025
Bin da reingestolpert, damals, in diese Designagentur.
Reingestolpert – und aufgenommen.
Gut aufgenommen. Besser, als man das eigentlich erwartet.
Großzügig.
Selbstverständlich:
geteilte Imagination.
–
Ich wusste nichts.
Ich konnte nichts.
Ich wollte alles.
– Und da warst du.
Fotografie: von dir gelernt, dass das wirklich Licht ist, nicht Technik.
Ein Moment, eingefangen, als würde man eine Sekunde zum Leuchten zwingen.
–
Und Musik: von dir Jazz.
Treibend seitdem.
IPA: [jat͡sː]
~ Der Bass redet mit.
Nicht Begleitung. Kein Hintergrund. Gespräch.
Bass gleich Rhythmus.
Ein zweiter Puls.
Manchmal schneller als man selbst.
Gerade dann ~ wenn er langsam läuft.
~
Kunst also. Alles.
Und ich ~ sofort fasziniert. Natürlich.
~
Gespräch mit dir in einem frischen Neujahr:
ich / sie: ~ Bruch unausweichbar.
Dann hast du mir ein Instrumental geschickt.
Einfach so.
Als mich Rat nicht mehr erreicht hat.
Aber deine Musik.
Und bis heute macht es mich leicht dieses zu hören.
(Das passiert selten.
Dass etwas leicht macht.)
~
Guter Mensch.
Guter Künstler.
In dieser Reihenfolge.
In dieser Gewichtung.
Und: Vorbild.
Danke, Kai Kanthak.
✶ 27.10.1955 ✝︎ 25.05.2025

Halle (Saale), 13. Juli 2025
–
Getrieben von irgendwann.
Aber irgendwann –
kontrollier ich das Ganze.
Safe.
–
In Sonne auf Kunstleder sitzen:
erst warm,
dann klebt’s,
dann schämst du dich.
Wird irgendwann heiß und falsch.
Hab ich gemerkt,
als wir aufstanden –
sie zuerst –
ich hinterher.
Statt Café plötzlich Saale.
Schatten wechselt die Straßenseite.
Wir auch.
Nicht Hand in Hand,
aber nebeneinander.
Also: mehr.
–
Morgens.
Küche.
Sie ist da –
wo ich nie bin.
Kramt rum.
Warum ich keinen Wasserhahn habe?
Dann zurück im Bett.
Augen auf,
sie hält eine Tüte hoch:
„Willst du auch Kürbiskernnüsse?“
Hat sie gefunden.
In meiner Küche.
Wo sie eben war.
Klar will ich.
Also: ja.
Sag ich nicht.
Aber nicke.
Küche danach.
Letzte Woche-Pampelmusen
schauen uns an
wie schlechte Entscheidungen.
Riechen auch so.
–
Irgendwann ist jetzt.
Oder kurz davor.
Oder eben doch:
nur Pampelmusen
und sie
und ich
und kein Grund,
das kaputtzudenken.
–
Klang des Tages: Röyksopp - Breathe (feat. Astrid S)
was du hier gibst wenn du es nimmst was ich dir schenke und auch stehle für mich und dich und uns wir suchen reichen weichen gleichen und drängen laben graben wagen und dann glimmen grimmen schwimmen müssen kriechen siechen riechen und immer brennen trennen rennen ich lerne wärme lärme und raube glaube schnaube du schaust mich an und ich zu dir und du erzählst mir ohne worte du kannst finden binden winden hast du das was ich nun will und nimmst von mir wie du es willst und schreiben bleiben treiben nein und ja beide münder rufen suchen fluchen alle hände halten spalten falten unsere körper bücken drücken glücken deine augen weinen reinen scheinen offen dann geschlossen und mein puls wird jetzt dein atem wir beben weben leben wir rollen sollen grollen atem stoppt dein glucken nucken zucken und platzen kratzen schmatzen und mein beißen reißen schmeißen findet dein ducken schlucken mucken und auch kekeln ekeln rekeln wir liegen wiegen schmiegen unser dann
–
frederik rentrop
2025