Nachteinkauf

Halle (Saale), 28. Mai 2025

Plötzlich will ich wieder die Nacht durchschreiben. Der Gedanke ist fertig, bevor ich ihn zu Ende denken konnte. Schreibtisch. Gute Musik. Softdrinks. Zigaretten. Ich, mittendrin. Produktiv. Schön anzusehen dabei. Ich stelle mir das kurz vor. Die Nacht kenne ich sowieso. Dutzende davon. In den letzten Monaten. Kein Schlaf, aber viel Nacht. Also.

Also gehe ich einkaufen.

Coke Light. Marlboro. Am Regal noch kurz überlegt, ob ich Chips will. Will ich nicht. Auf dem Rückweg diese Entspannung – das vollständige körperliche Nachlassen, als hätte jemand einen Knopf gedrückt. Ich merke, dass ich vorher angespannt war. Sehr. Ohne es gewusst zu haben. Informativ.

Zu Hause erst mal Ordnung. Ich räume Dinge von A nach B. Stelle die Dosen hin, den Aschenbecher daneben. Korrigiere die Position um zwei Zentimeter. Betrachte das Arrangement kurz. Gut.

Ich bin ein Genussmensch. Ich bin ein Künstler. Mindestens. Das hier ist eine ästhetische Entscheidung. Keine Verlagerung, kein Muster – das würde ich sofort erkennen. Ich kenne mich. Und während ich das denke, denke ich auch: ich rede mir das gerade ein. Beides gleichzeitig. Kein Problem.

Die Überforderung sitzt in der Brust, klein und kompakt. Kenne ich. Hatte ich früher auch, vor dem ersten Drink. Diese seltsame Schwere, die gleichzeitig Auftrieb sein wollte. Und beides nicht richtig schaffte. Jetzt Cola. Fortschritt.

Ich konsumiere keinen Alkohol. Das stimmt. Das ist gegenwärtig tatsächlich so. Das ist nicht nichts.
Und außerdem geht es mir gut.

Ich schreibe jetzt.



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