Mehr Glut als Plan 

Wir,
beim Tanz auf der Glut,
im Vulkan an einem Dienstag,
komplett übermotiviert.
–
Du rutschst fast weg,
Hals voran, stolz mit Absicht.
Ich halte dich,
weil irgendwer ja
immer plötzlich irgendwen halten will.
–
Und greife zu
mit ganzer Hand
an deinem Puls,
na klar,
etwas mehr Druck –
dass es dir noch
nach Liebe schmeckt.
–
Dann:
der Ausbruch,
Filmreife Szene.
Feuer, Rauch und Asche,
wir sehen nichts mehr,
nicht mal uns.
–
Aber hey:
wir leuchten,
immerhin.
Zwei Flammen,
die glauben,
sie wären Sterne.
–
Ich habe dich gerufen.
Oder du mich.
Vielleicht sind’s
auch nur Echos.
Egal.
Klingt gut.
–
Frederik Rentrop
2014

Push-Nachricht um Mitternacht

Erzähl mir das Ende
dieser Geschichte,
noch bevor sie sich selbst schreibt.
Nur ein Stück,
gerade genug,
um zu ahnen,
wer du wirklich bist:
unter deiner Haut,
hinter deinem Lächeln,
in deinen Augen,
–
die sich öffnen,
dann blitzen,
kurz schließen,
und dann brennen.
Als wüsstest du's nicht,
dass ich dich gerne lese,
so wie man nachts
von einer Push-Nachricht geweckt wird
und sich trotzdem freut,
und sich den Rest
für den Morgen aufhebt,
–
und ja,
das stimmt schon.
Mehr, als du denkst.
–
Denn ich kenne
deine Stimme,
deine Worte,
Blicke,
dieses Glucksen,
diese kleinen Bewegungen,
die du machst,
wenn du glaubst,
keiner sieht's.
(Spoiler: doch.)
–
Wenn du lachst,
wird alles
sofort ein bisschen
leichter,
wie nebenbei,
ein stiller Hinweis,
dass du's denkst
und ich's spüre,
diese Spannung,
wenn keiner was sagt:
und trotzdem alles passiert.
–
Denn immer,
wenn du da bist,
bleibt diese Geschichte.
Bis zur letzten Zeile.
Irgendwann.
(Vielleicht)
–
Frederik Rentrop
2014