Ein Remix aus Texten, Begriffsminiaturen und Lyrik-Bruchstücken. Sie dreht sich. Das Vinyl auch. Zwei Kräfte. Ich dazwischen. Eine literarische Montage über Sucht, Nähe und Entscheidung.
Literarische Montage · Autofiktion · 2026
Ein Remix aus Texten, Begriffsminiaturen und Lyrik-Bruchstücken. Sie dreht sich. Das Vinyl auch. Zwei Kräfte. Ich dazwischen. Eine literarische Montage über Sucht, Nähe und Entscheidung.
Literarische Montage · Autofiktion · 2026
Fotografie für das Cover von der Single ‚Hours Without Time‘ von Carrowbeg.

Halle (Saale), 28. November 2025
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Plötzlich will ich wieder die Nacht durchschreiben. Der Gedanke ist fertig, bevor ich ihn zu Ende denken konnte. Schreibtisch. Gute Musik. Softdrinks. Zigaretten. Ich, mittendrin. Produktiv. Schön anzusehen dabei. Ich stelle mir das kurz vor. Die Nacht kenne ich sowieso. Dutzende davon. In den letzten Monaten. Kein Schlaf, aber viel Nacht. Also.
Also gehe ich einkaufen.
Coke Light. Marlboro. Am Regal noch kurz überlegt, ob ich Chips will. Will ich nicht. Auf dem Rückweg diese Entspannung – das vollständige körperliche Nachlassen, als hätte jemand einen Knopf gedrückt. Ich merke, dass ich vorher angespannt war. Sehr – ohne es gewusst zu haben. Informativ.
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Zu Hause erst mal Ordnung. Ich räume Dinge von A nach B. Stelle die Dosen hin, den Aschenbecher daneben. Korrigiere die Position um zwei Zentimeter. Betrachte das Arrangement kurz. Gut.
Ich bin ein Genussmensch. Ich bin ein Künstler. Mindestens. Das hier ist eine ästhetische Entscheidung. Keine Verlagerung, kein Muster – das würde ich sofort erkennen. Ich kenne mich. Und während ich das denke, denke ich auch: ich rede mir das gerade ein. Beides gleichzeitig. Kein Problem.
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Die Überforderung sitzt in der Brust, klein und kompakt. Kenne ich. Hatte ich früher auch, vor dem ersten Drink. Diese seltsame Schwere, die gleichzeitig Auftrieb sein wollte. Und beides nicht richtig schaffte. Jetzt Cola. Fortschritt.
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Ich konsumiere keinen Alkohol. Das stimmt. Das ist gegenwärtig tatsächlich so. Das ist nicht nichts.
Und außerdem geht es mir gut.
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Ich schreibe jetzt.
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Klang des Tages: The Herbaliser feat. Yungun aka Essa - Just Won't Stop
Halle (Saale), 20. Oktober 2025
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Man vertrödelt ewig,
um etwas zu kapieren –
fast gemütlich.
Und kaum ist’s da,
drückt schon die Uhr,
als hättest du
null Sekunden übrig.
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Also entschlossen: Vinylsammlung wiederaufbauen. Warum ich die Platten damals verkauft habe, weiß ich selber nicht mehr. Irrational. Keine Erklärung, nur ein Loch im Regal. Also neu: Gebraucht. Erstauflage. Deutschlandpressung. Appetite for Destruction – selbsterklärend, ein Icon, das mehr verspricht als ein Samstagabend. Dummy von Portishead daneben, diese gespenstische, feine Traurigkeit, als würde man sich selbst beim Weinen aufnehmen.
Eine Begegnung ist geplant – aufregend, möglich. Und doch: kein Plattenspieler. Typisch.
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Der Geruch der Herdplatte mit Wasser im kleinen Topf. Metallisch. Aber nicht unangenehm. Kein Blut im Mund, eher wie ein Parfüm, das man nie gekauft hat, das aber trotzdem da ist. French Press gleich. Dieses Versprechen: gleich Kaffee, gleich etwas, das Ordnung macht. Nicht die große Ordnung, die kleine. Reicht ja.
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Ich lese erneut von vorn Nach Notat zu Bett: Heinz Strunks Intimschatulle. Das Buch rückt mir den Tag zurecht, als wäre es ein zerknittertes Hemd, das plötzlich glatt am Bügel hängt. Ich hoffe auf Struktur, geliehene Disziplin, einen fremden Takt, der mich weiterschiebt. Und tatsächlich: es greift. Nicht groß, nicht heilend, aber zuverlässig. Es funktioniert. Und was bleibt, ist genau das: ein kleines Funktionieren, das reicht wie Liebe. Heinz Strunk liefert dazu den Kommentar zu meiner Selbstverarschung.
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Die Novelle wächst, und draußen bleibt alles offen. Vinyl kommt vielleicht wieder. Vielleicht nie. Mal knirscht die Zunge im Mund, als wäre sie Sandpapier, mal dreht alles so hoch, dass selbst das Atmen wie eine Anlage auf voller Lautstärke wirkt. Wechselnd, nicht planbar. Ich habe einen Plan: Im Zweifel bleibt der Kaffee. Das Ritual reicht für jetzt. Man nippt, schaut, raucht. Und es geht weiter. Immer weiter. Keine Abkürzung. Aber weiter.
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Klang des Tages: Modest Mouse - The World at Large
Es spiegelt sich seltsam im Glas,
die Form entzieht sich dem Blick.
In Schichten gebrochen, unsichtbar,
zerfällt der Umriss zu Schleiern.
Kein Halt in der Fläche, kein Griff,
doch jedes Detail drängt nach Grund.
Die Leere füllt sich mit Ahnung,
die Fülle verläuft in Schweigen.
Ein Wille, der nicht wählen kann,
ein Zug, ein Drang, ein Ganzes –
ein Atem hält, dann löst er sich,
das Maß verliert sich im Entgleiten.
Farbwert – schon ausgehungert.
Die Haut liegt still über Knochen.
Der Spiegel lügt – lügt leise –
zeigt Fülle, dann Zuviel, dann nichts.
Sättigung – schon übervoll.
Die Haut gedehnt bis zur Grenze.
Der Spiegel lügt – lügt laut –
zeigt Leere, dann Zuwenig, dann nichts.
Frederik Rentrop
2025
Tiefer Bass trägt Piano durch die Dunkelheit, langsam und ohne Eile, der Rhythmus schleppend und treibend zugleich. Die Struktur entfaltet sich in Schleifen, die sich wiederholen, vertiefen und schichten, bis sie sich entladen. Eine Nacht, bewusst konstruiert – die Tiefe hält, die Wärme bleibt.
Lo-Fi · Downtempo · 2025
(mehr …)Fotografie für das Cover von der Single ‚A Night By Design‘ von Carrowbeg.

Halle (Saale), 14. September 2025
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Die Blicke fallen schwer,
als legte man Gold
auf einen Tisch voll Pokerchips.
Glanz ohne Wort,
doch jede Bewegung trägt Gewicht –
mehr als der Einsatz,
mehr als der Gewinn.
Ein Augenpaar genügt,
um den Raum zu kippen:
kein Kartenblatt,
nur ein Lächeln,
das alles hält.
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Ich staune über mich.
Stets Automobilist – allein das Wort!
Doch Auto stehen gelassen. Bahn genommen.
Vom Ignoranten zum ICE-Liebhaber in drei Fahrten.
Straßenbahnen mochte ich immer.
Weil: dreißig Jahre zurück. Immer.
Im Zug dann: Zeit.
Einfach da.
Und mit ihr das Erschrecken.
Vergänglichkeit. Dauer. Schweigen. Klang.
Alles gleichzeitig. Alles sofort.
Gefiltert durch AirPods.
Als hätte Apple die Zeit als Playlist sortiert.
Erste Klasse in Selbstabschaffung.
Letzte Geste: Becher. Flaschen. Tüten.
Zurückgelassen im Ablagenetz.
Wie Kommentare, die keiner schreibt.
Aber jeder versteht.
Menschen, die Abfall spielen.
Sie proben die Rolle mit vollem Ernst.
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Ein Satz verfolgt mich:
„Socken, die man aus der Hand gibt, die Füße übernehmen.“ –
Geträumt.
Vorgetragen wie vor der UNO.
Im Traum unanfechtbar.
Im Wachzustand nur Fragen.
Also zehn Paar hellblaue Socken bestellt.
Falls die Füße übernehmen.
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Zur Lektüre: The Fuck-Up.
Arthur Nersesian.
2013 erstmalig gelesen.
Kein bisschen nachgelassen.
Stark. Richtig stark.
Ich lege ihn ins Ablagenetz.
Offiziell „Magazinnetz“ genannt.
Für mich: Literaturnetz.
Vielleicht liest ihn jemand –
vielleicht bleibt er da.
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Klang des Tages: LTJ Bukem - Flip the Narrative