• Pegel Null – Ostsee Cut Remix

    Ein Remix aus Texten, Begriffsminiaturen und Lyrik-Bruchstücken. Sie und Vinyl drehen sich. Richter und Revolutionär streiten sich. Und ich jeweils dazwischen. Ein Mashup als Snack.

  • Farbwert / Sättigung

    Es spiegelt sich seltsam im Glas,
    die Form entzieht sich dem Blick.
    In Schichten gebrochen, unsichtbar,
    zerfällt der Umriss zu Schleiern.

    Kein Halt in der Fläche, kein Griff,
    doch jedes Detail drängt nach Grund.
    Die Leere füllt sich mit Ahnung,
    die Fülle verläuft in Schweigen.

    Ein Wille, der nicht wählen kann,
    ein Zug, ein Drang, ein Ganzes –
    ein Atem hält, dann löst er sich,
    das Maß verliert sich im Entgleiten.

    Farbwert – schon ausgehungert.
    Die Haut liegt still über Knochen.
    Der Spiegel lügt – lügt leise –
    zeigt Fülle, dann Zuviel, dann nichts.

    Sättigung – schon übervoll.
    Die Haut gedehnt bis zur Grenze.
    Der Spiegel lügt – lügt laut –
    zeigt Leere, dann Zuwenig, dann nichts.

    Frederik Rentrop
    2025
  • Risslicht

    Von Frederik Rentrop  

    Novelle · Psychologische Allegorie · 2025

    Ein Mann an seinem Schreibtisch empfängt zwei Besucher. Der Richter will ihn unten halten – im Gewicht, in der Scham. Der Revolutionär will ihn nach oben reißen – ins Feuer, in den Rausch. Beide leiden. An sich selbst. Aneinander. Am Mann zwischen ihnen. Zehn Jahre liegen zwischen ihnen auf dem Tisch. Dazwischen – viele Nächte ohne Morgen. Eine Brücke im Winter. Und die Frage: Wie rechnet man Schuld auf, wenn keiner schuld ist?

  • Carrowbeg – A Night By Design

    Tiefer Bass trägt Piano durch die Dunkelheit, langsam und ohne Eile, der Rhythmus schleppend und treibend zugleich. Die Struktur entfaltet sich in Schleifen, die sich wiederholen, vertiefen und schichten, bis sie sich entladen. Eine Nacht, bewusst konstruiert – die Tiefe zieht nach unten, die Wärme bleibt.

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  • A Night By Design

    Fotografie für das Cover von der Single ‚A Night By Design‘ von Carrowbeg.

  • Nur eine Bar

    Ein Schatten klebt am Tresen.
    Kein Mangel, sondern Wärme, die beißt.
    Kein Aperol, kein Blitzlicht,
    kein kitschiger Firlefanz.
    Die Burg guckt weg. Hier guckt keiner hoch.
    Patina heißt hier: abgenutzt, also echt.
    Hier glänzt nichts. Also stimmt’s.

    Die Gäste.
    Immer andere, immer gleich.
    Die Bar spuckt sie aus, saugt sie ein.
    Heute hier, morgen Legende.
    Als wären sie aus Filmen,
    die keiner zu Ende guckt.
    Kein Vertrag, nur Schnaps.
    Jeder verloren, jeder am Leben.
    (Statisten mit Sprüchen, ohne Applaus.)

    Der Kripo-Mann.
    Stimme wie ein altes Tonband.
    DDR im Atem, verraucht und körnig.
    „Das Gute“, brummt er.
    Meint Bier, die Jahre, vielleicht sich.
    Nie direkt, immer um die Ecke.
    Trinkt, als würde gleich einer fragen.
    Sätze wie Akten: verstaubt, aber schwer.
    (Verhör? Mit Kippe. Nie mit Druck.)

    Der Binnen-Kapitän.
    Flüsse im Kopf, brackig und tief.
    Lachen wie ein Motor, der hustet.
    Kurz, rau, ohne Schnörkel.
    Seine Hände reden,
    sortieren Karten, die keiner sieht.
    Mehr Kurs im Kopf als auf jedem Plan.
    (Heimathafen? Nur ein Anker fürs Zurück.)

    Der Skateboarder.
    Locker. Ohne Show.
    Schuhe, abgelaufen, und Wege, die
    nirgendwohin führen.
    Blick geradeaus, doch er sitzt fest.
    Positiv, als wüsste er: morgen geht schon klar.
    Nimmt alles, wie’s kommt. Kein Stress.
    (Vier Rollen. Fünf Züge. Fertig.)

    Der Eingestiegene.
    Ex-Wessi, jetzt festgewachsen.
    Verpasste den Zug, fand den Tresen.
    Kein Plan, doch bringt er Ideen.
    Zwischen gestern und Glas.
    Einfach da:
    ein Bier, ein Nicken, gut.
    (Her geflüchtet. Stets zugepackt.)

    Die Chefin.
    Keine Pose, nur Rückgrat.
    Kennt jeden Namen, jede Lüge.
    Tresen und Wille: unzertrennlich.
    Was zählt, bringt sie. Und es sitzt.
    Mächtig, ohne Fanfare.
    Wenn sie was sagt, hörst du auf.
    Sie hält die Bude zusammen,
    die anderen drehen Kreise, sehen’s nicht.
    Hart im Kern. Keiner merkt’s.
    Bis einer’s verdient. Dann knallt’s.
    (Sieht weich aus. Ist Stahl.)

    Holz, Bier, Rauch.
    Die Bar feiert, indem sie atmet.
    Ein Schaum, der kam und ging.
    Kein Plakat, kein Jubel.
    Nur: Hier.
    Gestern steckt in den Flecken
    auf den Tischen.
    Morgen? Scheiß drauf.
    Das Jetzt hält. Bis die Tür fällt.
    (Wer hier war, schleppt die Bar mit.)

    Ein Ort, der bleibt, weil er muss.
    Weil er nichts anderes kennt.
    (Konzept? Leben. Das reicht.)
    Eine Bar.
    Nur eine Bar.
    Ein paar Bier. Gespräche.
    Dunkel genug, dass du bleibst.
    Seite genug, dass du gehst.
    Pointe? Keine.

    Frederik Rentrop
    2025
  • A Glow Between

    Fotografie für das Cover von der Single ‚A Glow Between‘ von Carrowbeg.

  • Gerade dann

    Rostock, 20. August 2025 – F. Rentrop

    Bin da reingestolpert, damals, in diese Designagentur.
    Reingestolpert – und aufgenommen.
    Gut aufgenommen. Besser, als man das eigentlich erwartet.
    Großzügig.
    Selbstverständlich:
    geteilte Imagination.

    Ich wusste nichts.
    Ich konnte nichts.
    Ich wollte alles.
    – Und da warst du.

    Fotografie: von dir gelernt, dass das wirklich Licht ist, nicht Technik.
    Ein Moment, eingefangen, als würde man eine Sekunde zum Leuchten zwingen.

    Und Musik: von dir Jazz.
    Treibend seitdem.
    IPA: [jat͡sː]
    ~ Der Bass redet mit.
    Nicht Begleitung. Kein Hintergrund. Gespräch.
    Bass gleich Rhythmus.
    Ein zweiter Puls.
    Manchmal schneller als man selbst.
    Gerade dann wenn er langsam läuft.
    ~
    Kunst also. Alles.
    Und ich – sofort fasziniert. Natürlich.
    ~
    Gespräch mit dir in einem frischen Neujahr:
    ich / sie: – Bruch unausweichbar.

    Dann hast du mir ein Instrumental geschickt.
    Einfach so.
    Als mich Rat nicht mehr erreicht hat.
    Aber deine Musik.

    Und bis heute macht es mich leicht dieses zu hören.
    (Das passiert selten.
    Dass etwas leicht macht.)
    ~
    Guter Mensch.
    Guter Künstler.
    In dieser Reihenfolge.
    In dieser Gewichtung.
    Und: Vorbild.

    Danke, Kai Kanthak.
    ✶ 27.10.1955 ✝︎ 25.05.2025