Ein Remix aus Texten, Begriffsminiaturen und Lyrik-Bruchstücken. Sie dreht sich. Das Vinyl auch. Zwei Kräfte. Ich dazwischen. Eine literarische Montage über Sucht, Nähe und Entscheidung.
Literarische Montage · Autofiktion · 2026
Ein Remix aus Texten, Begriffsminiaturen und Lyrik-Bruchstücken. Sie dreht sich. Das Vinyl auch. Zwei Kräfte. Ich dazwischen. Eine literarische Montage über Sucht, Nähe und Entscheidung.
Literarische Montage · Autofiktion · 2026
[1]
Bleibt,
erster Track im Set,
spürbar,
schwer.
Läuft sowieso.
(Opening-Nummer. Die Hoffnung, dass der Rest auch so gut wird wie die erste Kippe nach drei Wochen.)
<<<3<<<
Schon geteilt,
und Stimmen
wie Vocals im Echo,
ineinander geschoben,
nicht mehr zu trennen.
(Drei ist schon Crowd. Ab hier muss man die Leute mögen, sonst geht's nicht.)
||11||
Eine Reihe,
zwei Stellen,
zu viel für die Hände.
Zwei Ziffern,
out of sync.
(Zwei Einsen nebeneinander. Wie Stäbchen, mit denen ich nie essen konnte.)
### 27 ###
Ein Haufen,
ein Schwarm.
Samples im Loop,
zu dicht,
kein harter Drop.
(Irgendwo in der Mitte des Abends. So viele Gesichter, so viele Drinks. Ich erinnere mich nur an die zu hohen Barhocker.)
100 BPM
im Kopf,
wie der Motor
im Herz.
Ein Puls,
der hält.
(Hundert Beats in der Minute. Tanzbar, aber nicht zu sehr. Wie ein Gespräch, das nie ins Peinliche kippt, aber auch nie zündet.)
[CAT:0504]
Ein Register,
eine Catalogue-ID,
wie im Label-Archiv.
Ein Beat,
ohne Bass.
(Katalognummern sind für Leute, die alles ordentlich abheften. Ich habe nicht mal eine Schublade, die nicht klemmt.)
9 0 3 7
So groß wie nichts,
so fern wie Streams.
Eine Zahl,
die niemand
mehr fühlt.
(Views, Likes, Follower. Jemand schreibt: „Krass, 9.000!" – Ich: „Ja." Und lösche die App.)
Und doch.
Eins bleibt,
im Kern,
ungeteilt.
Der Grundton,
der trägt.
(Am Ende ist es immer der gleiche Ton. Lauter. Leiser. Ducking. Ich rede mir ein, das reicht.)
Frederik Rentrop
2 0 1 4
Diese Stücke folgen keiner klassischen Form: keine Einleitung, kein Ausklang, keine Kontraste. Melodie und Rhythmus kreisen in endlosen Schleifen, bewahren ihre gleichmäßige Intensität – und entfalten darin ihre stille Kraft. Intimität, in Spuren wiederkehrend, bis das Vertraute im Wiederhören neu aufglüht.
Lo-Fi · Downtempo · 2013
(mehr …)Oben kein Service. Nur ein schönes, stilles Zimmer.
Vertrautheit wie ’ne Frau, die dich vollständig kennt.
Eine Hand, die gibt. Ein Lachen, das dich hält.
Kein Feuer, kein Puls und kein Schweiß.
–
Unten kein Flair. Nur die rohe, flüchtige Hitze.
Leidenschaft wie ’ne Schlägerei. Ihr Körper und sonst nichts.
Haut überall, die fordert. Ein Kratzer, man nimmt’s hin.
Keine Wurzeln, kein Licht und kein Herz.
–
Oben kein Service. Unten kein Flair.
Das Leben ’ne Spelunke in miesem Licht.
Die Liebe ein Halbstück wie ’ne leere Flasche.
Ein Schluck, doch nie der ganze Traum.
–
Oben sitzt du. Redest, kommst zum Kern.
Klar, Worte, die tragen, doch ohne Glut.
Unten brennst du. Willst mehr und nimmst es.
Dann der Morgen, alles weg. Nichts bleibt.
–
Frederik Rentrop
2013
Birdies Wutausbruch wird Malerei: Aus seiner Filmszene gelöst, als roher Fluch-Monument. Gestische Schimpfwörter, ungefiltert exzessiv.

Du lehnst dich vornüber,
das Licht bricht hart an deinen Schultern,
Schweiß flimmert auf deiner Haut,
wo jeder Takt die Luft in Streifen schneidet.
–
Nichts bleibt still –
nicht du, nicht ich.
Ein Brummen zwischen uns,
wie ein Motor in einer heißen Sommernacht,
der uns mitzieht –
bis die Straße uns auffrisst.
––
Was kommt,
hängt nicht an dir,
hängt nicht an mir.
Es rinnt
wie Schweiß in den Kragen,
wie Regen auf Asphalt.
–––
Wir halten nichts zurück,
dein Schrei schlitzt die Nacht entzwei,
so fest wie ein Gedanke –
der bleibt.
––––
Und wenn alles zusammenkracht,
nehmen wir’s
wie einen Refrain,
der zu gut ist,
um nur einmal gespielt zu werden,
noch einmal,
bis die Nacht uns ausspuckt.
–––––
Frederik Rentrop
2010
OTE ist eine Comedy-Action-Dokumentation im Reality-Stil mit absurdem Humor und Musikmontage-Stil aus dem Jahr 2010. Der Film wurde als DVD veröffentlicht.
Der Film dokumentiert und inszeniert zugleich eine spezifische Sport- und Subkultur der 2000er-Jahre und verbindet reale Situationen mit filmischer Überhöhung.
Der Film arbeitet mit rhythmischer Montage, Musikdramaturgie und dokumentarischen Elementen, um Atmosphäre, Körperlichkeit und Szenekultur zu verdichten. Inhaltlich ist OTE zugleich Zeitdokument, Stil-Experiment und unabhängige Autorenproduktion –jenseits klassischer Produktionsstrukturen.

Ein Protokoll über das Nicht-Merken
I
Bestimmt ein Nachbar
Mir fehlt ein Sandwich fürs Picknick. Im übertragenen Sinne. Klar. Aber auch so: Ich stehe morgens auf und beginne den Tag wie einen Satz ohne Verb. Gehe durch Räume und bemerke nicht Wesentliches. Eher die Nuancen des Unwichtigen – das bin ich. Meine romantischen Sensoren sind so verstellt, dass selbst die grellsten Signale an mir vorbeiziehen. Letzter Aufruf. Gate schließt. Das ganze Programm.
Sie ist da. Immer schon. Die ganze Party. Mit Augen wie Stroboskope, Blicke, die andere Männer sofort umgehauen hätten. Ich aber? Weiche aus. Instinktiv. Wie man Werbung wegklickt. Kunstvoll fast, diese Ahnungslosigkeit. Sie bewegt sich an mich heran. Tequila, Vanille, die ganze Chose. Die Luft knistert. Ich schaue auf ihre Beine, versuche was Cooles zu sagen, aber mein Mund spuckt nur aus: „Hey, du hast ’ne Hose an?“
Sie steckt mir einen Zettel mit ihrer Nummer unter den Scheibenwischer meines Ford Explorer. Herzchen. Das volle Programm. Ich finde ihn morgens, halte ihn knapp am Licht vorbei: „Bestimmt ein Nachbar. Wegen parken. Werden auch immer aufdringlicher, die Leute.“ Ungelesen.
So einer bin ich. Drink in der Hand, Nebel im Kopf. Cooler Kerl. Aber ihre Signale? Weg. Verschwunden. Ich bin wie ein Köter ohne Witterung.
II
Schöne Pfeile
Mir fehlt ein Bier im Sixpack. Am Lagerfeuer bewegt sie sich für mich. Langsam. Einladend. Flammen, Schatten, das Spiel. Ich kratze mich am Kopf: „Alles klar bei dir?“
Ihr Blick: Warnblinker. Sie selbst: ein einziger Flirt auf zwei Beinen. Und ich? Bier in der Hand. Ich frag nach Feuer und zünde mir nur die Zigarette an. Die Funken am Himmel erscheinen mir wichtiger.
Die Wochen ziehen ins Land, und sie wird verzweifelter. An der Bar kritzelt sie ein paar Worte auf eine Serviette. Dünnes Papier, weiche Hand. Ich nicke, wische meine Cola damit auf, werfe das Ganze weg. So läuft das manchmal. Mein Gehirn: nur Rauschen. Jede romantische Frequenz überlagert von – ja, von was eigentlich? Ich weiß es nicht.
Und sie? Sie wirft mir Liebe zu wie Dartpfeile im Dunkeln. Zielt auf mein Herz – und trifft ins Leere. Immer wieder. Ich stehe da, und die Pfeile fliegen an mir vorbei, und ich denke: schöne Pfeile. Interessant.
III
Cooler Kerl
Mir fehlt ein Ziegelstein in der Wand. Ich bewege mich durch die Liebe wie ein Tourist ohne Stadtplan. Überall Schilder. Ich sehe nichts. Nur Statik.
Sie tanzt. Grelles Licht. Schweiß wie nach dem Joggen auf ihrer Haut. Ich zähle gedanklich die Dellen in meinem Skateboard. Dreizehn. Wichtig. Sie lehnt sich zu mir. Warmer Atem. Leuchtende Augen. Hier hätte man sich küssen können. Ich betrachte ihre Lippen, suche nach Worten.
„Hey Süßer“, flüstert sie, „lass uns die Nacht anzünden.“ Ich nicke: „Cool. Tiefe Gespräche. Auf zur Burgruine.“
Mein Schädel: Granit. Ihre Zuneigung prallt ab wie eine Frisbee an der Wand. Falsch abgelenkt. Ich stolpere durch ihre Avancen wie ein betrunkener Akrobat. Kein Netz. Kein Boden. Keine Ahnung. Sonst komm ich klar – nur hier nicht.
IV
Mit ihr
Ich verliere den Faden. Immer wieder. Sie spinnt ihn neu, und ich lasse ihn fallen.
Und dann kommt dieser Tag. Das Picknick.
Die Sonne steht tief über der Wiese, alles riecht nach Gras und ein bisschen nach Diesel von den Traktoren. Auch Vanille, und noch etwas. Sie breitet die karierte Decke aus, und ich denke an nichts – das ist mein Talent. An nichts denken, während alles passiert.
Sie teilt das Sandwich mit mir. Reicht mir ein Bier. Die Flasche ist kalt und nass, und sie sagt: „Komm schon. Versuch’s einfach.“
Sie strahlt. Sie schaut mich an, anders als sonst. Sie lächelt, und ihr Lächeln ist eine Ohrfeige.
Dann trifft es mich.
Ein Ziegelstein. Direkt an den Kopf. Die Statik löst sich auf. Das Rauschen hört auf. Der Nebel zieht ab. Und plötzlich sehe ich sie. Zum ersten Mal wirklich. Nicht als Kumpel. Nicht als irgendwen. Als Frau. Als die Frau, die mich will. Die ich will – die ganze verdammte Zeit.
All die Sandwiches, die Biere, die Ziegelsteine, die ich übersehen habe. All die Dartpfeile, die knapp an mir vorbeigeflogen sind. Plötzlich ergibt alles einen Sinn.
Sie grinst. Ich kapier’s. Die Liebe schlägt ein wie der Wecker am Montag. Wie der Schlüssel, der die ganze Zeit in meiner Tasche war.
Sie hat mir ein Seil zugeworfen. Immer wieder. Ich will was sagen, aber alles ist schon gesagt. Scheiß drauf – Kuss. Und jetzt, an diesem Abend, auf dieser Decke – jetzt endlich greife ich fest zu. Sie schließt die Augen, schmilzt, endlich dran. Lässt los.
Die Sonne verschwindet hinter den Bäumen. Irgendwo fährt ein Auto vorbei. Und ich liege da und weiß, wo ich bin. Mit ihr.
–
Frederik Rentrop
2009